Kann die Salzgitter AG ihren beeindruckenden Gewinnsprung im ersten Halbjahr fortsetzen, oder trüben die jüngsten Kursverluste die Aussichten?
Wie trägt das Effizienzprogramm P28 zum Salzgitter Quartal bei?
Das Effizienzprogramm P28 spielt eine zentrale Rolle bei der Ergebnisverbesserung. Bis Ende Juni wurden daraus nachhaltige Ergebnisverbesserungen von 97 Millionen Euro erzielt, womit ein Großteil des für das Gesamtjahr angestrebten Effekts von 122 Millionen Euro bereits erreicht ist. Seit Programmstart summieren sich die Verbesserungen auf fast 350 Millionen Euro, mit einem langfristigen Ziel von 575 Millionen Euro. Diese Kostensenkungs- und Effizienzmaßnahmen leisten einen substanziellen Beitrag zur Profitabilität des Konzerns.Auch ohne den Aurubis-Effekt zeigen die Kerngeschäfte Fortschritte. Der Geschäftsbereich Stahlerzeugung steigerte das EBITDA von 65,6 Millionen Euro auf 159,0 Millionen Euro und erzielte ein EBT von 50,4 Millionen Euro nach einem Verlust im Vorjahr. Der Handel verdoppelte sein EBITDA auf 50,6 Millionen Euro, und der Geschäftsbereich Technologie verbesserte sein EBITDA auf 81,1 Millionen Euro. Diese Entwicklungen belegen, dass die operative Wende nicht ausschließlich von der Aurubis-Beteiligung getragen wird.Die Stahlverarbeitung bleibt jedoch eine Baustelle. Obwohl das EBITDA in diesem Segment von minus 39,8 Millionen Euro auf minus 12,5 Millionen Euro verbessert werden konnte, verzeichnete es weiterhin einen Verlust von 39,9 Millionen Euro beim EBT. Für Anleger wird entscheidend sein, ob die Restrukturierungsmaßnahmen hier in den kommenden Quartalen ebenfalls zu einer Rückkehr in die Gewinnzone führen können.Welche Rolle spielen EU-Maßnahmen und die HKM-Übernahme?
Die Salzgitter AG profitiert zudem von neuen EU-Maßnahmen zum Schutz der europäischen Stahlindustrie. Die zum 1. Juli verschärften Stahlimportbeschränkungen, wie die Kürzung zollfreier Quoten und die Verdopplung von Zöllen auf sonstige Lieferungen auf 50 Prozent, zeigen erste positive Effekte auf Preise und Mengen. Auch die geplante CO2-Abgabe der EU auf Importe und die Drosselung des Verschärfungstempos der Emissionsgrenzwerte im CO2-Handelssystem stützen die heimischen Stahlhersteller.Die vollständige Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) zum 1. Juli 2026 bringt zusätzliche Fantasie. Salzgitter erwartet, dass HKM im zweiten Halbjahr einen positiven Ergebnisbeitrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich leisten wird. Langfristig plant der Konzern, die Stahlproduktionskapazität von HKM zu reduzieren und bis Ende 2029 auf eine grünere Stahlproduktion umzustellen, was eine CO2-Reduktion von 90 Prozent ermöglichen soll. Dies unterstreicht das Engagement von Salzgitter für nachhaltige Produktion und trägt zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit bei.Analyst Dominic O’Kane von JPMorgan wies darauf hin, dass der operative Gewinn in der Stahlfertigung unter seiner Schätzung lag, was auf höhere Kosten zurückzuführen sei. Auch die Nettoverschuldung sei höher als erwartet. Ähnliche Bedenken äußerte Krishan Agarwal von der Citigroup, der einen negativen operativen Cashflow und gestiegene Investitionsausgaben monierte. Trotz dieser kritischen Analystenstimmen hält Salzgitter an seiner Jahresprognose fest, die einen Umsatz von rund 10 Milliarden Euro und ein Vorsteuerergebnis von 325 bis 425 Millionen Euro vorsieht. Die Nachfrage bleibt verhalten, eine Belebung wird jedoch für 2027 erwartet.Die Salzgitter AG hat im ersten Halbjahr 2026 einen beeindruckenden Turnaround hingelegt, der maßgeblich durch die Aurubis-Beteiligung und das Effizienzprogramm P28 getragen wurde.Für Anleger bedeutet dies eine Rückkehr zu profitablen Zahlen und eine höhere Jahresprognose, auch wenn Analysten wie JPMorgan und Citigroup einige Details kritisch sehen.Die nächsten Salzgitter Quartalsberichte werden zeigen, ob die positiven Effekte der EU-Maßnahmen und der HKM-Integration die verhaltene Marktnachfrage nachhaltig überwinden können.



