Droht Vonovia in Berlin eine Vergesellschaftung von Wohnungen – und welche Folgen hätte dies für den Immobilienkonzern und seine Anleger?
Berliner Plan sieht Entschädigung vor
Linke, Grüne und SPD wollen private Wohnungskonzerne mit mehr als 10.000 Wohnungen in Berlin gegen Entschädigung vergesellschaften, sofern sie eine gemeinsame Regierung bilden. Einen Bestand von 10.000 Wohnungen sollen die Unternehmen behalten dürfen. Nach Angaben der Linke-Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp wären fünf große Konzerne betroffen und rund 160.000 Wohnungen könnten in kommunales Eigentum übergehen.
Die Parteien wollen Mitte 2028 einen Gesetzentwurf vorlegen. Die Entschädigungssumme soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt werden. Das Vorhaben wäre damit noch an mehrere politische und rechtliche Schritte gebunden; Klagen werden erwartet.
Wie stark wäre Vonovia betroffen?
Die dpa-AFX berichtet, dass Vonovia die geplante Regelung für verfassungswidrig hält und eine gerichtliche Überprüfung nicht für aussichtsreich zugunsten der Befürworter erachtet. Das Unternehmen betont zugleich, dass es für den Wohnungsbau private Investitionen, Verlässlichkeit und Rechtssicherheit brauche. Die durchschnittliche Miete in den Berliner Beständen liege bei 8,26 Euro je Quadratmeter; rund 1.000 Wohnungen seien derzeit im Bau.
Eine weitere Einschätzung beziffert den Berliner Bestand auf 138.000 Wohnungen, von denen 128.000 unter die geplante Regelung fallen könnten. Der Wert dieser potenziell betroffenen Wohnungen wird mit rund 20 Milliarden Euro angegeben; dem steht die vorgesehene Entschädigungsgrenze von 16 Milliarden Euro gegenüber. Bei einer Übertragung zu diesen Bedingungen könnten Abschreibungen in Milliardenhöhe drohen.
Politisches Risiko überschattet die Bewertung
Die Aktie notierte zuletzt bei 16,48 Euro, nach einem Jahreshoch von rund 29 Euro Ende Februar. JPMorgan belässt die Einstufung auf „Overweight“ und das Kursziel bei 26 Euro. Analyst Neil Green sieht in der moderaten Kursreaktion einen möglichen Hinweis darauf, dass der Markt mit einem Eingreifen des Bundes rechnet oder die Folgen angesichts des Zinsumfelds geringer gewichtet.
Vonovia weist die Pläne zurück und verweist auf deren aus Unternehmenssicht fehlende Verfassungsmäßigkeit. Für Anleger stehen damit eine vergleichsweise günstige Bewertung und ein politisches Risiko gegenüber, dessen Ausgang von Koalitionsbildung, Gesetzgebung und Gerichtsverfahren abhängt.
Vonovia setzt auch auf Dienstleistungen und neue Marken
Neben dem politischen Streit um Berliner Wohnungen verfolgt der Konzern weitere Geschäftsfelder: Der Beitrag zur neuen Marke Veveus und dem Dienstleistungsgeschäft beleuchtet diesen Ansatz. Einen anderen Blick auf Übernahmen im Finanzsektor bietet die Meldung, dass die EZB den Weg für Unicredit zum Anteilsaufbau bei der Commerzbank freigemacht hat.
Das Sondierungsergebnis ändert nichts an unserer Haltung.— Vonovia
Die Berliner Parteien haben einen Fahrplan skizziert, der Vonovia mit möglichen Entschädigungs- und Abschreibungsrisiken konfrontiert, während der Konzern die Pläne rechtlich zurückweist. Für Anleger bedeutet das, dass die günstige Bewertung allein die politische Unsicherheit nicht beseitigt und JPMorgan dennoch an seiner positiven Einstufung festhält. Die nächsten Schritte bei Koalitionsbildung, Gesetzgebung und gerichtlicher Prüfung werden zeigen, wie sich das Risiko entwickelt – Anleger sollten diese Meilensteine aufmerksam verfolgen.



