Trotz eines Milliardenverlusts im dritten Quartal steigt die Volkswagen-Aktie – was steckt hinter dieser scheinbaren Diskrepanz?
Was belastet das Quartalsergebnis?
Der Umsatz sank im Sommerquartal um 6,3 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro. Die Wertberichtigung auf den Porsche-Firmenwert betrug rund 6,4 Milliarden Euro und war nicht zahlungswirksam, drückte aber den ausgewiesenen Gewinn. Hinzu kamen Belastungen durch das China-Geschäft, US-Zölle und den Konzernumbau. Im Vorjahresquartal hatte Volkswagen einen Verlust von etwa 1,07 Milliarden Euro ausgewiesen.
Für die ersten neun Monate summierte sich das Ergebnis nach Steuern auf minus 2,72 Milliarden Euro. Ohne Sondereffekte hätte der Konzern im Tagesgeschäft in diesem Zeitraum einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro verbucht. Die Zahlen zeigen damit sowohl die Größenordnung der Einmalbelastungen als auch den anhaltenden Druck auf das operative Geschäft.
China-Geschäft bleibt ein zentraler Risikofaktor
In China gingen die Verkäufe von Volkswagen in den ersten neun Monaten um gut 30 Prozent auf 1,38 Millionen Fahrzeuge zurück. Die Belastung trifft den Konzern in einem wichtigen Absatzmarkt, in dem lokale Anbieter den Wettbewerb verschärfen und die Nachfrage nachlässt. Für 2026 rechnet Volkswagen dort vor Abschreibungen nur noch mit einem Ergebnis um die Gewinnschwelle. Finanzchef Arno Antlitz sieht zudem das Risiko, dass das vierte Quartal das Ergebnis vor Abschreibungen in den negativen Bereich drückt.
Auch das wachsende Elektroautogeschäft in Europa verbessert die Ertragslage vorerst nicht automatisch. Laut Antlitz setzt der Markterfolg der Elektrofahrzeuge das Ergebnis zusätzlich unter Druck, weil Volkswagen mit ihnen derzeit weniger verdient als mit vergleichbaren Verbrennern. Die höhere Nachfrage nach Stromern kann deshalb die Marge verwässern, während der Konzern zugleich seine Kosten senken muss.
Aktie steigt trotz schwacher Zahlen
Die Vorzugsaktie legte am Donnerstag um 1,36 Prozent auf 69,98 Euro zu. Damit fiel die erste Kursreaktion positiv aus, obwohl die Geschäftszahlen schwach waren. Aus den vorliegenden Informationen lässt sich daraus jedoch keine bestätigte Trendwende ableiten. Volkswagen hatte seine Prognose für 2026 laut Dow Jones bekräftigt; zugleich belasten laut Finanzchef Antlitz die US-Zölle, der schrumpfende chinesische Markt und der zunehmende Wettbewerbsdruck in Europa.
Der Konzern hat zudem einen Stellenabbau von mehr als 50.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Weitere Kosten könnten durch zusätzliche Vorruhestandsregelungen oder Abfindungen entstehen. Eine schnelle Erholung hängt damit nicht allein von der Nachfrage nach neuen Modellen ab, sondern auch davon, ob Volkswagen seine Kosten und die Wettbewerbsfähigkeit in den wichtigsten Märkten verbessern kann.
Preisdruck und starke Quartalszahlen im Vergleich
Der Wettbewerb bei günstigeren Elektroautos und die Folgen für den Konzern stehen auch im Beitrag zu Volkswagens Preisdruck im E-Auto-Markt im Mittelpunkt. Einen Kontrast zu den schwachen Autobauerzahlen liefert der Bericht über Adidas’ Rekordgewinn und angehobene Prognose.
Der Markterfolg unserer Elektrofahrzeuge setzt unser Ergebnis zusätzlich unter Druck.— Arno Antlitz
Volkswagen meldet für das dritte Quartal einen Milliardenverlust, geprägt von hohen Sondereffekten, einer großen Porsche-Wertberichtigung und schwachen Geschäften in China. Für Anleger steht der leichte Kursanstieg neben erheblichen Risiken: Die Ertragskraft bleibt durch sinkende Verkäufe, Zölle und geringere Elektroauto-Margen unter Druck. Entscheidend wird sein, ob der Konzern seine Kosten senkt und die Wettbewerbsfähigkeit in China, Europa und den USA verbessert.



