Warum zieht Barry Diller sein Milliarden-Angebot für MGM Resorts International zurück und welche Folgen hat das für die Aktie des Casino-Giganten?
Warum zieht Barry Diller sein Angebot zurück?
Der Rückzug kam für den Markt überraschend. People Inc., ehemals IAC, hält bereits rund 27 Prozent an MGM Resorts International und hatte im Juni ein Barangebot von 48,30 Dollar je Aktie vorgelegt, das das Unternehmen mit mehr als 18 Milliarden Dollar bewertet hätte. Nun erklärte Diller, dass die Rahmenbedingungen für einen vollständigen Kauf nicht zusammengepasst hätten. Wie CNBC unter Berufung auf den Sender-Reporter David Faber berichtet, spielte dabei auch die erhebliche Schuldenlast eine Rolle, die ein solcher Zukauf für People bedeutet hätte.
Diller selbst sagte in der Mitteilung: “There are lots of ingredients that go into a proposal of this kind on its way to completion” (Es gehören viele Zutaten zu einem solchen Angebot, bis es abgeschlossen ist). Weiter erklärte er: “We didn’t feel the mix was coming together in the way we had hoped and have decided not to pursue taking the company private at this time” (Wir hatten nicht das Gefühl, dass die Mischung so zusammenkommt, wie wir gehofft hatten, und haben beschlossen, das Unternehmen derzeit nicht von der Börse zu nehmen).
MGM Resorts setzt auf den Alleingang
Der Verwaltungsrat des Casino-Konzerns bestätigte umgehend, dass man die Strategie als eigenständiges Unternehmen fortsetzen werde. Die seit Juni bestehende Übernahmefantasie, die den Kurs gestützt hatte, ist damit vorerst vom Tisch. Der Markt preist die Aktie nun wieder ohne diese Prämie ein – der Kurs fiel im vorbörslichen Handel zeitweise um bis zu 10,2 Prozent auf 33,73 Dollar, nachdem er am Vortag noch bei 37,85 Dollar geschlossen hatte.
Diller ließ allerdings eine Tür offen. In seiner Erklärung hieß es, People Inc. bleibe “open to and interested in the possibility of a strategic transaction with MGM Resorts” (offen für und interessiert an der Möglichkeit einer strategischen Transaktion mit MGM Resorts) und wolle eine Reihe von Alternativen prüfen. Eine erneute Offerte zu einem späteren Zeitpunkt ist damit nicht ausgeschlossen, konkrete Schritte wurden jedoch nicht angekündigt.
Ein isolierter Rückschlag für die Casino-Branche
Der Kursrutsch beschränkt sich fast vollständig auf MGM. Der Konkurrent Caesars Entertainment (CZR) notierte mit 29,60 Dollar nahezu unverändert, was zeigt, dass der Markt die Nachricht als unternehmensspezifisches Ereignis einordnet. Der breite Markt gab nur leicht nach: Der SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) verlor rund 0,5 Prozent.
Der Casino-Sektor bleibt dennoch in Bewegung. Erst in dieser Woche stimmten die Aktionäre von Caesars Entertainment einem Übernahmeangebot des Milliardärs Tilman Fertitta zu, der das Unternehmen für 17,6 Milliarden Dollar übernehmen will. Caesars-Aktionäre erhalten 31 Dollar je Aktie in bar. Für MGM bedeutet das ein verändertes Umfeld: Während der Wettbewerber den Besitzer wechselt, muss MGM allein überzeugen.
Wie reagieren Anleger auf die geplatzte Offerte?
Die Aktie hat mit dem heutigen Abschlag bereits einen erheblichen Teil der zuvor eingepreisten Übernahmeprämie abgegeben. Das Handelsvolumen bleibt mit rund 2,4 Millionen Aktien pro Tag im Vergleich zu anderen Branchenwerten eher gering, was die Kursbewegung verstärken kann. Beobachter verweisen darauf, dass die 48,30 Dollar nun als Referenzpunkt gelten, nicht mehr als realistischer Zielpreis. Ob People seine Beteiligung aufstockt, reduziert oder hält, dürfte in den kommenden Wochen über die Richtung entscheiden. Zusätzliche Unterlagen beider Unternehmen werden mit Spannung erwartet.
Was bedeutet der Rückzug für die Bewertung?
Die fundamentale Geschichte von MGM – das operative Casino- und Hotelgeschäft in Las Vegas und Macau sowie die Beteiligung am Sportwetten-Anbieter BetMGM – rückt wieder in den Vordergrund. Diller betonte, das operative Geschäft sehe weiterhin solide aus; der gescheiterte Deal sei nicht auf eine Verschlechterung des Kerngeschäfts zurückzuführen. Für Anleger heißt das: Die Bewertung orientiert sich künftig wieder an Kennzahlen wie Umsatz, Auslastung und Cashflow statt an einer Übernahmeprämie.
KI-Infrastruktur bleibt der bestimmende Treiber am Markt
Während bei MGM Resorts ein Übernahmekapitel endet, zeigt sich an anderer Stelle, wie stark einzelne Branchen weiter von strukturellen Trends getrieben werden. So sorgt die Nebius-Prognose trotz Redburn-Warnung für Diskussionen, weil der Markt die drastische Verkaufsempfehlung offenbar ignoriert und stattdessen auf den anhaltenden KI-Boom setzt. Solche Divergenzen zwischen Analystenmeinung und Kursentwicklung prägen derzeit das Bild – bei MGM ist es umgekehrt der Wegfall einer Übernahmeprämie, der die Richtung vorgibt.
We at People Incorporated remain open to and interested in the possibility of a strategic transaction with MGM Resorts and look forward to considering a range of alternatives.— Barry Diller, Chairman People Inc.
Mit dem Rückzug von Barry Diller ist die Übernahmefantasie bei MGM Resorts vorerst geplatzt, und die Aktie verliert rund zehn Prozent auf 33,73 Dollar. Für Anleger bedeutet das eine Rückkehr zur fundamentalen Bewertung, bei der das operative Casino- und BetMGM-Geschäft wieder den Ausschlag gibt. Ob People Inc. mit seiner 27-Prozent-Beteiligung doch noch einen neuen Vorstoß wagt, dürfte die nächsten Wochen bestimmen.




