Die Deutsche Telekom hat ihre Fusionsplaene vorerst auf Eis gelegt – welche internen und externen Faktoren bremsen den Mega-Deal aus?
Warum wird der Zusammenschluss vertagt?
Bloomberg Television berichtet, der Bonner Konzern habe sich vorerst gegen ein formelles Angebot entschieden. Ein Grund sei der Widerstand des Betriebsrats; ein späterer Vorstoß bleibe möglich. Das Vorhaben sieht eine gemeinsame Holding für die Aktien beider Unternehmen vor. Nach Angaben von Bloomberg wäre es der größte Zusammenschluss börsennotierter Konzerne aller Zeiten geworden.
Die Pläne stoßen auch aus weiteren Gründen auf Gegenwind: Arbeitnehmervertreter besetzen die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat. Der Bund hält direkt und über die Kreditanstalt für Wiederaufbau zusammen gut 28 Prozent an der Telekom; bei einem Zusammenschluss könnte sein Einfluss schrumpfen. Zudem stieg der aktivistische Investor Elliott im September ein und drängt auf ein Ende der Pläne.
Starke Zahlen der US-Tochter stützen die Aktie
Die Erholung der Telekom-Aktie folgt auf solide Quartalszahlen von T-Mobile US. Neben dem Umsatz legte das bereinigte EBITDA um elf Prozent auf 9,6 Milliarden Dollar zu. Beide Werte übertrafen die Schätzungen. T-Mobile US gewann 274.000 neue Vertragskunden – drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und entgegen der Erwartung eines Rückgangs. Für das Gesamtjahr hält das Management an rund einer Million Neukunden fest und zeigt sich beim operativen Gewinn sowie beim Barmittelfluss zuversichtlicher.
Die beiden Darstellungen stimmen darin überein, dass der Zusammenschluss vorerst nicht weiterverfolgt wird und ein späteres Angebot möglich bleibt. Bloomberg Television hebt den Widerstand des Betriebsrats als einen Grund hervor; der ergänzende Bericht nennt zudem die Rolle des Bundes und den Druck von Elliott. Die Telekom hält etwas mehr als die Hälfte der Anteile an der US-Tochter. Am 5. November legt sie ihre Quartalszahlen vor.
JPMorgan bleibt bei „Übergewichten“
JPMorgan bestätigte für die Telekom die Einstufung „Übergewichten“ und ein Kursziel von 38 Euro. Die Analysten weisen zugleich darauf hin, dass die Unsicherheit rund um einen möglichen Zusammenschluss die Aktie weiter belaste. In den am Markt erfassten Einschätzungen raten sechs von sechs Experten zum Kauf; das durchschnittliche Kursziel beträgt 36,88 Euro. Diese Einschätzungen stehen dem aktuellen Kurs von 25,61 Euro gegenüber, sind aber keine Garantie für die weitere Entwicklung.
SpaceX bleibt ein Thema für den US-Mobilfunkmarkt
Die vertagten Zusammenschlusspläne treffen auf bestehende Unsicherheit rund um den US-Markt: Der Beitrag zum SpaceX-Frequenzkauf und dem Druck auf die Telekom-Aktie beleuchtet diese Belastung. Wie stark Anleger auf Geschäftszahlen und Prognosen reagieren können, zeigt außerdem der Bericht zum Wachstum und Margenausblick von Symrise.
Die Telekom vertagt ein formelles Angebot für T-Mobile US, während starke Quartalszahlen der US-Tochter und ein Kursplus von 1,89 Prozent die Aktie stützen. Für Anleger bleiben die bestätigte Einstufung von JPMorgan und das Kursziel von 38 Euro mögliche Orientierungspunkte, die anhaltende Fusionsunsicherheit ist jedoch ein Risiko. Die Zahlen der Telekom am 5. November werden neue Hinweise zur Geschäftsentwicklung liefern und verdienen besondere Aufmerksamkeit.



